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Freitag, 20. November 2009

Larry Niven - Planet der Verlorenen

Düsenroboter waren die Entdecker aller besiedelter Welten gewesen. Doch diese Roboter hatten einen Fehler. Sie waren nicht wählerisch.
Bei dem Planeten »Paradise« hatten sie Daten zur Erde gefunkt, als sei dieser Fleck im Weltraum ein Planet der Verheißung.
Doch nur die schmale Hochfläche des Berges Lookitthat war be-
wohnbar. Dahinter gähnte ein Ab-
grund, heiß wie ein Schmelzofen, voll brodelnder Nebelschwaden.

Und dann kamen die Siedler. In den Raumschiffen, die nicht mehr zur Erde zurückfliegen konnten. Sie erwarteten ein Paradies - und fanden die Hölle.
Eine Hölle, in der sich die Zahl der Bewohner nicht vermehren durfte, damit nicht alles menschliche Leben zugrunde ging.
Bis eines Tages eine Fracht von der Erde kam, die ihnen allen Erlösung versprach. Doch da ging der Kampf erst richtig los...

Im Klappentext geht es schon mal gut los, nicht wahr? Auch wenn man sich gleich fragt, was denn das für duselige Sonden sind, die nicht raffen, das der restliche Planet eigentlich gar nicht für eine Besiedlung geeignet ist. Im Verlaufe des Buches wird aber klar, woran das liegt, man scheint teilweise noch auf dem technischen Stand des Jahres 1968 (In dem Jahr ist das Buch erstmalig erschienen) zu sein, sprich, die Verwaltung benutzt in der Zukunft noch munter Schreibmaschinen und in den technologisch hochwertigen Düsenrobotern klacken fröhlich die Relais vor sich hin. Trotzdem hat man sich irgendwie fliegende Autos anschaffen und damit, neben der Namensgebung des Planeten, kein Klischee auslassen können.

Worum geht es da überhaupt? Nachdem die Besiedelung des Planeten vollzogen war, auf diesem Plateau, das etwa halb so groß wie Kalifornien ist, haben die Nachkommen der Piloten einen Polizeitstaat errichtet, in dem diese etliche Privilegien genießen und die Siedler... Nun, nichts, außer der Arbeit. Begriffe wie »Klassenkampf« und »Aufstand« kommen einem da in den Sinn, oder?

In eben diesen gerät auch Matt Keller eher unbeabsichtigt, denn eigentlich hat er mit revolutionären Ideen gar nichts am Hut. Dummerweise sind seine Beweggründe auch sehr vage und wenig nachvollziehbar. Im Grunde lässt es sich so zusammenfassen: Matt Keller trifft auf einer Party eine Frau, die zum Widerstand gehört, wird von dieser entjungfert. Die Party, vom Widerstand veranstaltet, wird von der Polizei gesprengt und Widerständler werden verhaftet. Aus irgendeinem Grund fühlt sich Herr Keller, Ritter der Tafelrunde, verpflichtet, diese Frau aus den Fängen der Piloten zu retten. Und stolpert damit durch ein hanebüchenes Abenteuer, an dem es sowohl inhaltlich, als auch erzähltechnisch mangelt.

Beispielsweise steckt Matt Keller irgendwie in der Klemme, entdeckt aus dem Nichts heraus, das er PSI-Kräfte, denn die haben in der Klischeeansammlung noch gefehlt, besitzt und kann sich fortan unsichtbar machen. Oder aber Matt Keller versucht in das Hauptquartier einzudringen, kann nicht einfach so unsichtbar reinlaufen, da zündet seine Mitstreiterin, nicht etwa die, die ihn zum Mann gemacht hat, eine Bombe, die andere Widerständler mal an der Mauer vergraben haben. Und die vorher niemals erwähnt wurde... Und so geht es immer weiter.

Wenn man diese Geschichte gelesen hat, dann weiß man warum die SF so ein schundiges Image hat. Schlecht ausgearbeitet, dämlich und wenig nachvollziehbar. Mit anderen Worten: Grandios. :D
Am Ende bleibt einem nur eins im Gedächtnis: Matt Keller hatte Sex und hat daraufhin das System in die Knie gezwungen.

Nächste Woche: Frederik Pohl - Der Plus-Mensch

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Mittwoch, 16. September 2009

Frank Schätzing - Der Schwarm

Ein peruanischer Fischer verschwin-
det auf offener See, bei schönstem Wetter. Heerscharen hochgiftiger Quallen belagern die Küsten Südame-
rikas und Australiens. Vor Kanada bleiben die Wale aus. Erst mit wochenlanger Verspätung treffen sie ein, doch die Tiere verhalten sich ungewohnt aggressiv.
Unterdessen findet ein Ölbohrteam am Grund der norwegischen See seltsame Würmer mit gewaltigen Zangenkiefern vor, die sich zu Millionen in den Meeresboden graben. Wie hingezaubert scheinen sie dem Biologen Sigur Johanson, der die Tiere untersucht, um herauszufinden, ob von ihnen eine Gefahr für die Offshore-Industrie ausgeht.
Johanson ahnt, dass hinter den Anomalien mehr steckt als eine Reihe kurioser Zufälle: Etwas wendet das Leben im Meer gegen den Menschen.
Zu ähnlichen Schlüssen gelangt auch der indianische Wal- und Intelligenz-
forscher Leon Anawak, der sich über Nacht mit dem Zusammenbruch des Waltourismus, fanatischen Umweltschützern und dem amerikanischen Militär herumschlagen muss, das plötzlich einen Mantel des Schweigens über die Vorfälle zieht. Offenbar wissen die Regierungen der USA und Kanadas mehr über die Bedrohung aus den Ozeanen: Eine Katastrophe dämmert herauf, die den Fortbestand der menschlichen Rasse in Frage stellen koennte. Doch wer oder was löst sie aus? Und mit welchem Ziel? Die Wissenschaftler, beauftragt, das Rätsel zu lösen, müssen schnell erkennen, dass der Mensch über den Planeten, den er vermeintlich beherrscht, weniger weiß als über den Weltraum.


Ha! Es ist getan! 1000 Seiten wurden niedergerungen, auch wenn es ein wenig länger gedauert hat, als ich gedacht habe. Aber wer kann schon ahnen, das da jemand plötzlich und völlig unerwartet das Buch in der Bücherei ausleiht und mich 150 Seiten vor dem Ende im Regen stehen lässt. Verflucht sollst du sein, Büchereiausweisbesitzer!
Das Warten hat sich aber gelohnt, zum Ende hin ging nochmal richtig die Post ab, auch ich das eigentliche Ende eher enttäuschend fand.

Positiv fand ich: Die Idee! Auch wenn das jetzt im Grunde nichts Neues in der Science-Fiction ist. Aber was ist das schon...?
Darüber hinaus gibt es viele interessante Schauplätze und Charaktere. Nach einigen langatmigen Ausführungen überschlagen sich häufig die Ereignisse und Schätzing schreckt auch nicht davor zurück, den ein oder anderen Charakter einfach aus dem Buch zu entfernen. Sehr konsequent, hat mir gut gefallen.

Neutral: Es ist ein sehr wissenschaftliches Buch. Oft ist das sehr interessant, wenn gewisse Aspekte vertieft werden, dummerweise geschieht das meistens nach dem gleichen Muster: Fachkundig trifft fachfremd und erklärt diesem, stellvertretend für den Leser, worum es geht. Und das zieht sich häufig elendig lang hin...

Negativ: Einiges ist dann doch zu stereotyp aufgemacht. Ganz vorne mit dabei ist die Darstellung der US-Amerikaner. Alle machtbesessen, verrückt und fundamentale Gotteskrieger und bestrebt, die Vormachtstellung der USA zu halten. Um jeden Preis. In diesem Zuge ist der ewige Zwist zwischen Wissenschaftlern und Armee natürlich unvermeindlich. Mein größter Kritikpunkt: Das Ende. Also... Da ist diese Intelligenz, die keine Lust mehr hat, das da Oben andauernd jemand Müll und Schrott in seinen Lebensraum wirft, die beschließt diesen Störenfried zu beseitigen, völlig überlegen ist und die lässt sich dann am Ende von einem plumpen trojanischen Pferd übertölpeln. Also ich weiß ja nicht so recht... Totaler Krieg aus den tiefen des Meeres wäre irgendwie passender gewesen.

Insgesamt aber ein sehr empfehlenswertes Buch. :)

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Freitag, 28. August 2009

Der ewige Winter #1

Ich merkte, dass ich wach war und öffnete vorsichtig die Augen. Still lag ich da, die Beine angezogen, den Körper seltsam verkrümmt, der Atem angehalten. Ein heulender Wind zog am Gebäude vorbei, jaulte sporadisch mal lauter und mal leiser, flachte dann ab und erstarb schließlich ganz. Es schien still zu sein. Ich wagte wieder zu atmen.
Schweiß lag auf meiner Stirn. Die Hand in meinem Sichtfeld hatte sich krampfhaft im Laken vergraben. Langsam, als gehörte sie gar nicht mir, löste sie sich wieder aus der Umklammerung. Flach atmete ich ein und aus, bemerkte, wie sich mein Herzschlag wieder normalisierte. Ich musste schlucken, mein Hals war trocken. Langsam entspannte sich der Körper wieder. Vorbei war es trotzdem nicht.

Endlose Augenblicke blieb ich liegen, glaubte an den wiederkehrenden Wind und hätte damit einen guten Grund gehabt, um nicht aufstehen zu müssen. Aber er kam nicht. Misstrauisch hob ich den Kopf, lauschte wieder angespannt und erhob mich schließlich langsam von meinem notdürftigen Lager. Mein Nacken schmerzte.
In der Nacht hatte es wieder geschneit. Die gelben Säcke, die ich am Vortag auf den schmalen Balkon geworfen hatte, waren teilweise von Schneewehen bedeckt worden. Mein Blick glitt über das Geländer hinaus. Sekundenlang betrachtete ich das Einerlei aus Grau und Weiß, rieb mir den Nacken intensiv, gab es letzten Endes auf. Der Schmerz saß einfach zu tief. Kleine Schneeflocken sanken langsam herab. Mit einem missmutigen Schnaufen wandte ich mich vom Fenster ab und trat an den Kühlschrank. Ich hatte Durst.

Auf dem Sofa ließ ich mich nieder, hüllte mich in eine Decke, denn die Kälte griff eisern nach meinen nackten Beinen und begann den Tag mit einem zögerlichen Schluck aus der Flasche, dem ein erleichterter Seufzer folgte. Versunken in Gedanken starrte ich die mir gegenüberliegende Wand an. Ein weiterer Schluck ließ auch diese verschwinden. Über mir stampfte Musik monoton vor sich hin, mir fiel sie jetzt erst auf. Eine klagende Männerstimme, die sich immer mehr zu einem aggressiven Monolog entwickelte, drang dumpf durch die Wand, die ich zuvor angestarrt hatte. Eine Frauenstimme mischte sich dazu, verstummte aber jäh mit einem polterndem Geräusch. Schimpftiraden folgten, unterlegt mit Geräuschen, die auf nichts Gutes schließen ließen. Ich trank eilig den Rest, schaute aus dem Fenster, betrachtete den grauen Himmel und sank in mich zusammen. In meinem Kopf sanken der Pegel der Musik und der Streit in der Wohnung neben mir senkte sich und verschwanden schließlich ganz.
Zwischen den Polstern des Sofas zog ich ein Taschenbuch hervor, wandte den Blick zum zweiten Mal vom Himmel ab und begann das letzte Drittel des Buches zu lesen. Zwischendurch holte ich mir noch etwas zu trinken.

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